Ein musikalischer Leckerbissen: Das Bernina-Lied

Mit diesem Lied wurde die Produktion der 20'000 Bernina im Jahr 1937 gefeiert.

"Gesungen von den Arbeitern der Nähmaschinen-Fabrik unter Mitwirkung des Männerchors ‘Frohsinn’ Steckborn”

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Eventuell habe sogar der Chef, Fritz Gegauf, mitgesungen - ob er und die Arbeiter wirklich bei dieser Aufnahme mitgemacht haben ist nicht bewiesen - es tönt aber sehr gut, zumindest auf der Plattenhülle.

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Quellenangaben zum Lied:

schellack-archiv.ch / Komposition: W. Gubler, Steckborn / Text: Ed. Röthlisberger, Basel

Liedtext

In Graubündens weiten Gauen ragt ein Berg mit ew'gem Schnee! Dort sind herrlich schön zu schauen uns're Berge, Täler, See'n. Jener ewig starke Berg dort, gab auch Dir den Namen her. O Bernina Nähmaschine, ja, Du machst ihm alle Ehr'!

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An der alten Nähmaschine sass die Hausfrau einst gebückt und mit kummervoller Miene ist ihr selten 'was geglückt. Heute schafft sie froh und munter und im Zeichen Schweizerkreuz. Die Bernina wirkt dies Wunder und verleiht der Arbeit Reiz.

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Auf Bernina Nähmaschinen saust die Nadel blitzgeschwind, wie der Rote Pfeil auf Schienen hinbraust gleich dem Sturmeswind. Rasch wird so das Werk beendet, ausgeschaltet der Verdruss. Jeder Stich ist kunstvollendet, und das Nähen ein Genuss.

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Drum Bernina, nur Bernina, sie gehört der Schweizerfrau. Näh' mit Bernina!

Dieser Festakt und das Lied ist in einem historischen Zusammenhang zu verstehen:

"Fünf Jahre zuvor, im Jahr 1932, hatte unser Unternehmen die Fertigung einer Haushaltnähmaschine in Angriff genommen. Das neue Produkt hiess BERNINA Klasse 105. Firmeninhaber Fritz Gegauf hatte es nach dem höchsten Gipfel der Ostalpen benannt. Der Unternehmer war mit dem Produktionsstart ein Risiko eingegangen. Notgedrungen, muss man sagen. Zuvor hatte die Steckborner Fabrik primär Hohlsaumnähmaschinen hergestellt, welche für die industrielle Nutzung bestimmt waren und aus der Schweiz in die ganze Welt verkauft wurden. Ein Exportschlager seit der Erfindung im Jahr 1893! Mit der Weltwirtschaftskrise in Folge des Börsenkrachs 1929 nimmt die Hohlsaum-Herrlichkeit ein Ende. Der Niedergang der Textilindustrie in Europa und die hohen Zölle, die das Ausland auf Schweizer Importe erhebt, setzen dem Geschäft zu. Fritz Gegauf sucht einen Weg aus der Krise und wagt sich an die Konstruktion einer Haushaltnähmaschine. Er nimmt einen radikalen Strategiewechsel vor – weg vom Industriekunden, hin zur Endkundin. Sein Fokus liegt zunächst auf dem Schweizer Markt. Dieser wurde damals von deutschen und amerikanischen Marken dominiert. Gegaufs Ziel: Schweizer Hausfrauen sollten Schweizer Nähmaschinen kaufen.

Das Wagnis gelingt. Die in der Gegauf-Fabrik nach Plänen des St. Galler Konstrukteurs Wilhelm Brütsch gebaute Maschine setzt sich gegen die ausländische Konkurrenz durch. Wichtigen Anteil am Erfolg hat Wilhelms Sohn Willi Brütsch(... : ) Er organisierte den Vertrieb der neuen Maschine in der Schweiz, gewinnt die sogenannten “Arbeitslehrerinnen” als Influencerinnen und baut ein starkes Vertreternetz auf. 1931 wurden fast 24’000 ausländische Haushaltnähmaschinen die Schweiz importiert, so Brütsch Junior in seiner Rede. Fünf Jahre nach Produktionsstart der BERNINA Klasse 105, zum Zeitpunkt von Brütschs Ansprache, sind es noch 12’000 ausländische Maschinen. BERNINA hat in kurzer Zeit einen grossen Teil des Schweizer Marktes erobert."

(Textquelle: Matthias Fluri / bernina-blog)

Das BERNINA Lied ist ein Beispiel für die geschickte Vermarktung der BERNINA Klasse 105 in der Schweiz.